Tracks:
Beide CDs sind in jeweils acht Tracks unterteilt. Sie sind mit Seitenzahlen in einem Buch vergleichbar und stellen keine inhaltliche Abgrenzung dar.
Hörbeispiele (mp3)
- Trakl hat ...
- Trakl: Aus tiefer Nacht
- Trakl: Blinde Zeiger
- Trakl: Bosheit
- Trakl: Vorwäts
- Trakl: Weinheizung
Aktivraum Label – AR 40801
VÖ: 2001
Hörbuch Offenbarung und Untergang
Klaus Löwitsch
Offenbarung und Untergang
Fühmanns Kontroverse mit Trakl
Der Autor Hans-Dieter Schütt schreibt zu unserem Hörbuch:
"Wir Menschen sind ... ja, was sind wir? Den Weg der Antwortsuche säumen Warnschilder. Wer den Dichter Georg Trakl (1887-1914) liest, erfährt erschüttert, wie Größe und Scheitern die gleiche Wurzel haben können.
Diese Doppel-CD "Offenbarung und Untergang" – Fühmanns Kontroverse mit Trakl von und mit Klaus Löwitsch (Aktivraum-Verlag, Köln), greift das Thema so erregend wie erregt auf. Ausgangspunkt ist das 1982 erschienene Buch "Vor Feuerschlünden", Franz Fühmanns (1922-1984) große Selbstbefragung angesichts der Erfahrung mit Georg Trakls Lyrik.
"Ich, Löwitsch, bin zu Trakl über Fühmann gekommen – ein Erlebnis aus zweiter Hand", sagt der Schauspieler auf der CD. Er liest Fühmann, der Trakl las; und er liest Trakl. Rekapituliert die Biografie eines "nicht lebbaren Lebens" und versucht eine dramaturgische Verzahnung, so dass man zwei Leben wie ein einziges Schicksal aufnimmt.
Hört man diese Aufnahme, verwischt sich zunächst die Wahrnehmung: Was ist Fühmanns Text, was Trakls? Zwei Dichter, eine Stimme – ineinanderfließende Erlebnisschichten, die der Schauspieler Löwitsch als aufstörende Gegenwärtigkeit beschwört. Der enthusiastische Nationalsozialist Fühmann, später der leidenschaftliche Kommunist – Trakls Lyrik wird ihm zur Kraft, die alle ideologisch einbetonierten Gewissheiten aufsprengt. Das Gedicht als Weltveränderer, indem es das Denk- und wohl mehr noch Glaubensuniversum eines Menschen ins Wanken bringt. "Wir wissen nichts von den Prozessen des psychischen Stoffwechsels", Löwitsch presst es verzweifelt, fast anklagend hervor.
Trakls Gedicht, das den Verfall erzählt wie ein wundes, geheimnisvolles Märchen, wird dem Dichter Fühmann zum Zeichen für Kommendes: Unter dem, was sich als neue Welt so unerschütterbar gibt, beben bereits die Grundmauern. Gültig ist dies für alle Zeiten – und für jede Zeit, die eine Schneise zweifelsfreier Utopie ins unwägbare Gelände zu schlagen versucht. Immer mit dem "Feuerschein der Hölle" erhellt sich das Bewusstsein für dieses Gesetz: dass die jeweiligen Erretter der Menschheit am Ende nur ihre neuen Peiniger sind. Nur die Freiheit von Ideologie, nur der Austritt aus einer Welt der von Ideen überfüllten Leere könnte ein Weg sein; es ist ein sehr individueller Weg, und diese Freiheit ist beheimatet – in der Heimatlosigkeit, im Außenseitertum.
Und Löwitsch? Wahrscheinlich ist es diese Fremdheit im eigenen praktischen Leben, die dieser neuen Arbeit Löwitschs den Untergrund des Bedrängenden, Herzgetroffenen, Aufgehetzten gibt. Mit "Offenbarung und Untergang" hat er einen Stoff in Händen, der seiner ist. Den er erobert, indem er sich ihm unterwirft. Mit inspiriertem Übermut, mit sentimentaler Hingabe, mit einem wirklich eigenen Atemzug."
Hans-Dieter Schütt, gekürzte Fassung
Der Autor, geb. 1948, lebt als Publizist in Berlin,
schrieb zahlreiche Interviewbücher
und veröffentlichte 1996 den Band
"Klaus Löwitsch – Asche auf der Seele"
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