Simon Stockhausen (Sopransaxophon, Synthesizer, Sampler)
Markus Stockhausen (Trompete, Flügelhorn)
Tara Bouman (Klarinette)
Andrea Marcelli (Percussions)
Kompositionen: Simon & Markus Stockhausen
1 CD
Gesamtlaufzeit ca. 43 Minuten
Aktivraum Label – AR 10104
pd: 2004
nonDuality
Review from: Jazzpodium, 1 May 2005
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Jazzpodium
nonDuality
Lichtblick – prima, altrove...
by Dieter Wackerbarth
Der Kölner Trompeter Markus Stockhausen ist zweimal mehr als Meister der Improvisierten Musik zu hören. „nonDuality“ zum ersten. Fern jeden Formatzwangs formt er Klangbilder, zelebriert Impressionen, kollagiert Stilistiken von Ethno über Jazz bis hin zur Avantgarde im Bereich Neuer Musik auf den Spuren seines Vaters oder eines Arvo Pärt. Glockenklang zu Beginn mutet an wie der Auftakt eines fernöstlichen Rituals. Gregorianische Reminiszenzen lassen Bilder einer Klosterkirche aufsteigen. Messglöckcheninspirationen bilden den Ausgang für „Freitagsglocken“. Stimmen aus diversen Ländern Afrikas und Asiens sind über hartem Funk Groove zu hören, Jasper van’t Hof und Pili Pili lassen grüßen. Bedrohlich kommt ein apokalyptisches Szenario mit wabernden Elektroniksounds daher. Erinnerungen werden wach an Miles Davis’ Weltuntergang von 1985 auf „You’re under arrest“. Nicht von ungefähr wählt Markus die Klangfarbe des harmon mute. Einer Götterdämmerung gleich erklingt am Schluss die Neuzeit. Ein Wispern und Vibrieren über Schwebeklängen. Quartseptseligkeit und Progressionen in slow motion. Die so unterschiedlichen Kleinodien bilden eine 7-teilige Suite. Der Begriff „Komposition“ trifft nur bedingt zu, denn es handelt sich um offensichtlich spontane Kommunikation, „konzipierte Improvisation“, wie sie’s nennen. Markus (tp, e-tp, voice, inside piano, shakers, bells, synthi) präsentiert sich mit seinem Bruder Simon (synthi, sampler und sopran sax) als wunderbar harmonisches Duo. Sie blicken auf eine über mehr als zwei Jahrzehnte währende musikalische Partnerschaft zurück. Hier wechseln sie sich in Melodiepart und Begleitung ab, ergänzen sich in jeder Beziehung traumwandlerisch intuitiv. „nonDuality“ bedeutet: im Zusammenspiel der beiden entsteht etwas Neues, gewissermaßen Drittes, in der Summe mehr als die „Teile“. Ergänzt werden sie bei zwei Stücken per overdubs durch den Italiener Andrea Marcelli, der durch akzentuiertes Drumming für Verve sorgt, sowie durch die niederländische Klarinettistin Tara Bouman. Ihr ist im Duo mit Simon die „Neuzeit“ vorbehalten, dieses Klangbild einer hoffnungsvollen Zukunft – Vorklang schon vom Himmel auf Erden und Wohltat für in Hektik aufgeriebene Zeitgenossen.
Die CD „Lichtblick – prima, altrove“ knüpft dort an und endet in dieser Manier. Insgesamt geht es hier aber weitaus jazziger zu. Die Improvisationen sind überwiegend traditionell eingerahmt vom Thema eingangs und am Schluss. Das aktuelle Trio mir dem Schlagzeuger Christoph Thomé und dem Pianisten Angelo Comisso ist in Aufnahmen vom Juni 2004 zu hören, die in Triest nach einem Festival-Auftritt in Udine entstanden. Kompositionen von Comisso, Stockhausen und eine Gemeinschaftskreation bieten nachdenkliche, balladeske Themen und verhaltene, teils überaus zarte Charakteristiken im Wechsel mit zupackenden Stücken, allen voran „Hasmin“. Comisso stürzt los mit ungestümen, schnellläufigen Riffs, wie sie zuletzt in „In my garage“ vom Esbjörn Svensson Trio zu hören waren („Seven Days Of Falling“). Markus legt eine wunderhübsche Melodie darüber, Thomé wirbelt und sorgt für furiosen Drive. Das ist Aufregung pur, höchstes Glück und größte Anstrengung in einem. Natürlich darf die Elektronik-Collage nicht fehlen, gewissermaßen die Stockhausensche Familientradition im „Green sky burning“. Mit dem harmon mute Dämpfer kommt „Belflor“ sehr eindringlich daher. Es mutet an wie eine weitere Hommage an Miles Davis und liegt auf der Linie der für Miles damals komponierten Suiten (z.B. Palle Mikkelborgs „Aura“). Sterbensschön betört „Elegia“: romantisch, verträumt, ähnlich der „Neuzeit“-Seelenbalsam und ein Fall für die repeat-Taste. Einfallsreichtum, Spielfreude und kongeniales Miteinander kennzeichnen dieses gleichberechtigte Trio: ausdrucksstark in den Themen, versiert in der Begleitung, irisierend in den Soli. Hervorgehoben sei hier Thomés Beckenzauber beim „Go on“. Man kann dem Fazit von Hans-Jürgen von Osterhausen nur beipflichten: „das inspirierte Zusammenspiel von drei Musikern, die sich glücklicherweise gefunden haben“.![]()
